Räderwechsel vor dem Winter: Was sich Hobbyschrauber von Rallye-Mechanikern abschauen können

Winterrad vor aufgebocktem Auto in einer Garage mit Drehmomentschlüssel und Werkzeug

Die Rallye-Saison biegt in die letzten Läufe ein, und in vielen Garagen steht jetzt ein ganz anderer Termin an: der Wechsel auf Winterreifen. In Österreich gilt die situative Winterreifenpflicht von 1. November bis 15. April. Wer selbst schraubt, hat also noch ein paar Wochenenden Zeit. Im Servicepark haben wir oft genug zugesehen, wie ein Rad in Sekunden gewechselt wird. Die Geschwindigkeit können wir zu Hause getrost weglassen, die Sorgfalt nicht.

Vorbereitung ist die halbe Servicezeit

Kein Mechaniker fängt an, bevor das Werkzeug bereitliegt. Das gilt auch in der Garage. Bevor der Wagenheber angesetzt wird, sollten die Winterräder aus dem Keller geholt, gereinigt und kontrolliert sein. Profiltiefe, Risse in der Flanke, eingefahrene Steine, das Alter der Reifen: Das alles lässt sich in Ruhe prüfen, solange die Räder noch auf dem Boden liegen. Für Winterreifen gilt in Österreich eine Mindestprofiltiefe von 4 Millimetern bei Pkw-Radialreifen. Knapp darüber zu fahren ist erlaubt, bei Schneematsch aber keine gute Idee.

Eine einfache Ordnung spart später Ärger. Markieren Sie die abgenommenen Sommerräder mit Kreide oder einem Klebestreifen nach Position, zum Beispiel VL oder HR. So lassen sich die Räder im Frühjahr gezielt tauschen, damit sich die Abnutzung gleichmäßig verteilt.

Der Ablauf, Schritt für Schritt

  • Auto auf ebenem, festem Untergrund abstellen, Gang einlegen oder P wählen, Handbremse ziehen.
  • Radmuttern oder Radschrauben lösen, solange das Rad noch Bodenkontakt hat. Eine halbe Umdrehung genügt.
  • Wagenheber nur an den vorgesehenen Aufnahmepunkten ansetzen. Die stehen in der Betriebsanleitung und sind am Schweller meist markiert.
  • Rad abnehmen, Radnabe und Anlagefläche mit einer Drahtbürste von Rost und Schmutz befreien.
  • Winterrad aufsetzen, Schrauben über Kreuz von Hand eindrehen und leicht vorziehen.
  • Auto ablassen und erst dann mit dem Drehmomentschlüssel über Kreuz auf den vorgeschriebenen Wert anziehen.

Warum der Schlagschrauber nicht das letzte Wort hat

Im Servicezelt wird mit Druckluft und Akku gearbeitet, weil jede Sekunde zählt. Das Anziehen auf das richtige Drehmoment übernimmt dort trotzdem niemand nach Gefühl. Ein Akku-Schlagschrauber ist beim Lösen festsitzender Schrauben eine große Hilfe und darf auch zum Vorziehen verwendet werden. Zum Festziehen gehört aber der Drehmomentschlüssel. Zu locker ist gefährlich, zu fest verzieht im schlimmsten Fall die Bremsscheibe oder beschädigt das Gewinde. Den passenden Wert finden Sie in der Betriebsanleitung Ihres Fahrzeugs, bei Alufelgen gelegentlich auch in den Unterlagen des Felgenherstellers.

Ein guter Drehmomentschlüssel sollte nach dem Gebrauch wieder auf den kleinsten Wert zurückgedreht werden. So bleibt die Feder entspannt und der Schlüssel misst über Jahre genau. Diese Gewohnheit sieht man bei erfahrenen Mechanikern ausnahmslos.

Nach dem Wechsel: nachziehen und Druck prüfen

Nach den ersten 50 bis 100 Kilometern werden die Radschrauben noch einmal mit dem Drehmomentschlüssel kontrolliert. Gerade bei Alufelgen kann sich die Verbindung setzen. Gleichzeitig lohnt ein Blick auf den Reifendruck. Räder, die monatelang im Keller lagen, verlieren Luft, und kalte Temperaturen senken den Druck zusätzlich. Die Sollwerte stehen meist im Tankdeckel oder in der Fahrertür.

Wer die Sommerräder anschließend sauber einlagert, liegend gestapelt oder an einem Felgenbaum hängend, trocken und dunkel, hat im Frühjahr einen leichteren Start. Und die Garage ist wieder frei für das nächste Projekt über den Winter.